DFB-Pokal- 2.HR 2018
31.10.2018
1. FC Köln  :  FC Schalke 04  =  5  :  6

DFB-Pokal: FC nutzt gegen Schalke seine Chancen nicht
von Joachim Schmidt

Köln -
Die Elfmeterlotterie hat am Mittwochabend ein kurzweiliges und packendes Pokalspiel zwischen dem 1. FC Köln und Schalke 04 entschieden.
Nachdem es nach 120 Spielminuten 1:1 gestanden hatte, verwandelte der Ex-Kölner Marc Uth zum 6:5-Erfolg im Elfmeterschießen.
Was sich die Hausherren bei dem Ausscheiden vorwerfen konnten, war, dass sie ihre Chancen nicht genutzt hatten. Die bessere spielerische Leistung hatten sie geboten.
Personell hatte Markus Anfang bei den Gastgebern für einige Überraschungen gesorgt. So stürmte Jhon Cordoba statt Simon Terodde, so durfte Serhou Guirassy am linken
Flügel ran und Marcel Risse als Rechtsverteidiger. Die so umformierte FC-Mannschaft sah sich zunächst tonangebenden Schalkern gegenüber. Doch so langsam spielten
sich die Hausherren frei.
Vor allem Louis Schaub und Dominick Drexler waren es, die immer wieder die Gästeabwehr vor Probleme stellten. Als die Schalker sich zurückmeldeten, boten sie trotz
Dominanz viel brotlose Kunst. Gefahr für das Tor von Timo Horn gab es nur bei Distanzschüssen oder bei Kopfbällen von Naldo nach Ecken.
Kölner Aktionen waren spektakulärer
Spektakulärer waren da Kölner Aktionen. So bediente Marcel Risse den spielfreudigen Serhou Guirassy, der spektakulär zu einem Seitfallzieher ansetzte (32.),
den Ball aber knapp verfehlte. Für einen Aufschrei des heimischen Publikums sorgte etwas später (39.) Marcel Riss, denn seinen 30-Meter-Freistoß hatten viele
im Tor vermutet. Allerdings wölbte der Ball von außen das Netz.
Keine Zweifel gab es dagegen in der 43. Minute, als der Ball regelgerecht im Schalker Tor einschlug. Nach Zuspiel von Dominick Drexler wurde Jhon Cordobas Schuss
von Salif Sané unhaltbar für Alexander Nübel ins Tor abgefälscht. Die FC-Fans feierten den Schützen als „Fußballgott“ und skandierten seinen Namen frenetisch bei seiner
Auswechslung (82.).
Zu früh gejubelt
Ein weiteres Mal zu früh jubelte der Kölner Anhang in der 59. Minute. Denn noch während des gefühlvollen Schlenzers von Dominick Drexler ins Tor pfiff Schiedsrichter
Harm Osmers ab. Salih Özcan hatte zuvor ein Foul begangen.
Bei den Schalker, die in der Bundesliga in neun Spielen erst fünf Treffer erzielten, wuchs die Verunsicherung. Ihre Aktionen wirkten fahrig, ungeordnet und planlos.
Nur bei Standards waren sie gefährlich. Beim zentralen Freistoß aus 17 Metern (68.) fand Naldo trotz seines Hammer-Schusses seinen Meister in Timo Horn.
Wenig später war das Spiel für den Innenverteidiger beendet, machte er aus taktischen Gründen Platz für Nabil Bentaleb. Der besaß kurz danach (76.) eine ähnlich
Freistoßchance wie sein Vorgänger, verzog aber. Vom Elfmeterpunkt aber ließ er sich die zweite Chance (88.) nicht nehmen. Rafael Czichos hatte zuvor den Ball mit
dem linken Arm abgewehrt. So ging es nach dem 1:1 in die Verlängerung.
Die bot dann den typischen Pokalkampf. Hin und her wogte das Spiel, wobei die Kölner zwingender wirkten. Ein Treffer gelang aber auch ihnen nicht mehr, weshalb es ins
Elfmeterschießen ging.

Köln: T.Horn; Risse, Meré, Czichos, Hector; Höger; Schaub (99. Zoller), Özcan, Drexler, Guirassy; Cordoba (82. Terodde). –
Schalke: Nübel; Sané, Naldo (72. Bentaleb), Nastasic; Schöpf (56. Caligiuri), Rudy, Mendyl (91. McKennie); Harit, Konoplyanak (67. Embolo); Burgstaller, Uth. –
SR: Osmers (Hannover). –
Tor: 1:0 Cordoba (43.), 1:1 Bentaleb (88., Handelfmeter). –
Elfmeterschießen: Höger scheitert an Nübel, 0:1 Burgstaller, 1:1 Özcan, 1:2 Nastasic, 2:2 Terodde, 2:3 Caligiuri, 3:3 Guirassy, 3:4 Harit, 4:4 Risse, Bentaleb scheitert an Horn, 5:4 Hector,
5:5 Rudy, Drexler übers Tor, 5:6 Uth. –
Zuschauer: 50.000 (ausverk.). –
Gelbe Karten: Özcan, Schaub – Schöpf, Uth, Bentaleb, Burgstaller, Nastasic.


Einzelkritik
Timo Horn: Erst kaum geprüft, dann immer zuverlässig und mit gutem Stellungsspiel bei den seltenen Schalker Abschlüssen. Konnte nur einen Elfmeter halten. Note: 2

Marcel Risse: Als Rechtsverteidiger mit vielen guten Aktionen nach vorne und nach hinten. Wenige Fehlern – nach hinten und nach vorne. Note: 2,5
Jorge Meré: Einige leichtsinnige Aktionen zu viel und mit einem Foul im absoluten Gefahrenbereich vor dem eigenen Strafraum (68.). Sonst solide. Note 3,5
Raffael Czichos: Souveräner Abwehrchef sowie ständiger und unangenehmer Begleiter für Guido Burgstaller. Dann das von der Bewegung und vom Zeitpunkt her einfach nur unglückliche Handspiel.  Note: 3
Jonas Hector: Diesmal linker Außenverteidiger und mit einer starken Leistung auf dieser Position. Note: 2,5
Marco Höger: Begann mit zwei Fehlpässen, stabilisierte sich dann und ackerte. Erster Fehlschütze im Elfmeterschießen.  Note: 3,5
Louis Schaub: Trickreich und schnell, aber ohne die nötige Übersicht und Ruhe in seinen letzten Aktionen. Verpasst das entscheidende 2:0 (85.). Note: 3,5
Salih Özcan: Defensiv  und offensiv ganz oft wirkungsvoll im Brennpunkt des Geschehens unterwegs. Laufstark, Zweikampfterrier, Elfmeter verwandelt – tolles Spiel. Note: 2
Dominick Drexler: Aktiver als zuletzt, lauffreudig, aber ohne die ganz große Aktion. Pech, dass seinem Treffer ein Özcan-Foul voranging (59.).  Entscheidender Fehlschuss als siebter Elfmeterschütze des FC. Note: 3,5
Serhou Guirassy: Unkonventionell und spektakulär. Macht Spaß ihm zuzusehen, auch wenn es nicht immer produktiv ist. Note: 3
Jhon Cordoba: Zumeist unglücklich in seinen Aktionen, aber beim 1:0 mit Glück im richtigen Moment. Unter Applaus raus. Note: 2,5
Simon Terodde: Kam für Cordoba (82.). In der Verlängerung einsatzfreudig und sicher im Elfmeterschießen. Note: 3

(Quelle: Kölnische Rundschau vom 02.11.2018)