DFB-Pokal - 2. Hauptrunde  2019
29.10.2019
FC Saarbrücken  :  1. FC Köln  =  3  :  2

Pokalsensation: 1. FC Köln scheidet gegen Viertligist Saarbrücken aus
von Joachim Schmidt

Völklingen -
An die bislang schwache Bundesligasaison hat der 1. FC Köln auch im DFB-Pokal angeknüpft und sich aus dem Wettbewerb verabschiedet.
Beim Viertligisten 1. FC Saarbrücken holte man zwar einen zwischenzeitlichen 0:2-Rückstand auf, musste aber in der 90. Minute den K.o.
in Form des 2:3 hinnehmen.
Eine erste Aufregung hatte es bei den Kölnern bereits am Morgen gegeben. Da war entdeckt worden, dass der Mannschaftsbus am Hotel in
Saarbrücken mit Farbe beschmiert worden war. Unter anderem waren die Zeichen der Saarbrücker Ultras auf die Seiten des Fahrzeugs aufgesprüht
worden. Die Kölner Vereinsführung stellte Strafanzeige gegen Unbekannt.
Im Laufe des Tages wurde ein Ersatzbus aus Köln gebracht. Mit dem fuhr die Mannschaft dann am Abend zum Stadion nach Völklingen. Dort musste
gespielt werden, weil der Saarbrücker Ludwigspark umgebaut wird.
Zwei transportable Flutlichtmasten für das Spiel
Um im Hermann-Neuberger-Stadion am Abend überhaupt spielen zu können, waren zusätzlich zwei transportable Flutlichtmasten aufgestellt worden.
Dennoch ähnelte die Beleuchtung mehr einem Hinterhof als einem Fußballstadion. Am hellsten wurde es vor der Partie, als FC-Anhänger Bengalos
zündeten und Feuerwerksraketen abschossen. Dem schlossen sich die Saarbrücker während des Spiels an.
Beim Bundesligisten hatte Achim Beierlorzer sechs Umstellungen gegenüber der vorangegangenen Startelf vorgenommen. Dazu gehörte auch, dass
Jhon Cordoba und Anthony Modeste eine Doppelspitze bildeten. Zwar besaß der Erstligist eine hohe Ballbesitzquote von über 60 Prozent, doch taten
sich die Profis schwer, Lücken in der Defensive des Regionalligisten zu finden. Mal probierten sie es mit Kombinationsfußball, ein anderes Mal mit
langen Bällen.
Timo Horn rettet zweimal für den FC
Dann aber boten sich auch den Gastgebern zwei gute Möglichkeiten. In der 26. Minute musste sich Timo Horn ganz lang machen, um den Ball nach
einem Schuss von Kianz Froese um den linken Pfosten zu lenken. Fünf Minuten später war er zur Stelle, doch der Schuss von Jurcher ging ans
Außennetz.
Dazwischen besaßen die Kölner ihre beste Möglichkeit der ersten Halbzeit. Nach einem schönen Pass von Marcel Risse leitete Jonas Hector den Ball
weiter zu Anthony Modeste, der quer auf den heranstürmenden Dominick Drexler legte. Aber wieder war es Daniel Batz, der aus seinem Tor gekommen
war und den Schuss abwehrte.
Saarbrücken geht nach Freistoß in Führung
Unmittelbar nach Wiederbeginn gab es die Riesenchance für die Hausherren. Doch einen Querpass jagte Sebastian Jacob aus drei Metern über das Tor.
Besser machte es der „Maskenmann“ Christopher Schorch in der 54. Minute. Nach einem Freistoß aus dem Halbfeld stieg der mit einer Gesichtsmaske
spielende Innenverteidiger am höchsten und köpfte gegen seinen früheren Verein ein.
Für den Doppelschlag und die Vorentscheidung sorgte drei Minuten später Gillian Jurcher. Bei einem Konter lief er Jorge Meré davon, umkurvte den aus
seinem Tor geeilten Timo Horn und schoss ein. Die Saarbrücker Fans waren aus dem Häuschen und brannten auf ihre Art ein Feuerwerk in Form von
Pyrotechnik ab.
Köln kommt nochmal zurück und erzielt Ausgleich
Für den Anschlusstreffer sorgte in der 71. Minute Jonas Hector. Nach schöner Vorarbeit von Noah Katterbach schoss er aus zwölf Metern ein.
Die Chance zum Ausgleich vergab in der 79. Minute Jhon Cordoba, als er eine Schindler-Flanke neben das Tor köpfte. Besser machte es der eingewechselte
Simon Terodde. Mit seinem Treffer in der 84. Minute, bei dem er ein Zuspiel von Cordoba nutzte, brachte er den FC ins Spiel zurück.
Doch es sollte nicht reichen. Während Dominick Drexler für die auf den Siegtreffer drückenden Kölner mit einem Schlenzer am Torwart scheiterte, hatte Tobias
Jänicke bei einem Konter (90.) das Glück auf seine Seite. Denn seinen Schuss fälschte Noah Katterbach ins Tor ab.

Saarbrücken: Batz; Barylla, Schorch, Uaferro; Zeitz, Froese, Jänicke, Jacob (90.+1 Miotke), Perdedaij (76. Müller); Jurcher (76. Eisele), Vunguidica. –
Köln: Horn; Schmitz (71. Terodde), Bornauw, Meré, Katterbach; Risse (55. Schindler), Skhiri, Hector, Drexler; Cordoba, Modeste (46. Schaub). –
SR: Petersen (Stuttgart). –
Tore: 1:0 Schorch (53.), 2:0 Jurcher (57.), 2:1 Hector (71.), 2:2 Terodde (84.), 3:2 Jänicke (90.). –
Zuschauer: 6800 (ausverkauft). –
Gelbe Karte: Perdedaj, Batz – Hector Drexler, Cordoba

Einzelkritik:

Timo Horn 4 - Musste nach 22 Minuten erstmals eingreifen – da hellwach. Auch als Froese schoss (27.). Bei den Gegentoren machtlos. Kölns Keeper war nicht das Problem.
Benno Schmitz 6 - Vorne wie hinten eine Zumutung. Das reicht nicht mal gegen einen Viertligisten.
ab 71. Terodde – Machte wieder seinen Treffer. Da schien die Wende greifbar. Ein Trugschluss.
Jorge Meré 6 - Gleich zu Beginn mit einem Wackler. Zeigte, warum er in der Bundesliga derzeit nicht spielt. Im Sprint-Duell vor dem 2:0 hoffnungslos unterlegen.
Sebastiaan Bornauw 5 - Ebenfalls nicht wackelfrei in der Anfangsphase. In der zweiten Halbzeit bei den Gegentoren nicht zu sehen.
Noah Katterbach 3 - Wenn ein 18-Jähriger die mutigsten Aktionen hat... Leitete den Anschlusstreffer stark ein. Konnte aber letztlich das Saarbrücker Siegtor nicht verhindern.
Jonas Hector 4 - Bei seinem „Heimspiel“ war der Saarländer mächtig motiviert. Sah früh Gelb. Trocken beim Abschluss. Noch einer der besseren Kölner.
Ellyes Skhiri 5 - Kreative Dinge sah man beim Tunesier sehr selten. Aber auch defensiv war sein Pokal-Auftritt ungewohnt fehlerhaft.
Marcel Risse 6 - Ein Schatten seiner selbst. Kein Selbstbewusstsein, keine Spritzigkeit, keine Ideen.
ab 55. Schindler 5 - Konnte kaum Impulse geben gegen die müden Amateure. Das war viel zu wenig.
Dominick Drexler 5 - Bei ihm merkte man zumindest, dass er gewinnen wollte. Aber auch seine Aktionen waren zu brotlos.
Jhon Cordoba 4 - Mit dem Willen und der Bereitschaft für die Wende – in dieser Mannschaft nicht selbstverständlich. Bereitete den zwischenzeitlichen Ausgleich vor.
Anthony Modeste 6 - Für den Franzosen war früh Feierabend. Ohne Szene, ohne Wirkung – ein Drama. Es wirkt, als würde er sich immer mehr von seiner Topform entfernen.
ab 46. Schaub 5 - Der Österreicher sollte die FCS-Defensive knacken. Aber auch von ihm kam viel zu wenig.

(Quelle: Kölnische Rundschau vom 30.10.2019)