Unterhaching-Köln_DFB-1.HR   1:2


 Am Ende selbst in Bedrängnis gebracht


Kölns Thomas Bröker schoss den FC zum 2:1. Foto: dpa

Ein Doppelpack von Thomas Bröker reicht dem 1. FC Köln zum Zweitrundeneinzug: In der ersten Runde des DFB-Pokals gewann der FC beim Drittliga-Spitzenreiter Unterhaching mit 2:1. Der starke Thomas Bröker schoss die Kölner zum Sieg.
Von Joachim Schmidt
 

Unterhaching
Ob es an der oberbayerischen Idylle mit Marschmusik eines Blasorchesters vor der Partie oder der leicht verbesserten Chancenverwertung lag, mag dahingestellt sein. Jedenfalls beendete der 1. FC Köln bei der Spielvereinigung Unterhaching seine sieglose Pflichtspielzeit. Die hatte seit dem 1:0-Bundesligasieg gegen Hertha BSC am 10. März 160 Tage angedauert.
Das 2:1 und der damit verbundene Einzug in die zweite Pokalrunde, die am späten Samstagabend bei Sky ausgelost wird, stimmten Holger Stanislawski froh, wie er gestand. Nicht so jedoch "die Fülle an Chancen, die wir liegengelassen haben. Das war ganz schön ärgerlich".
Diese Inkonsequenz und Nachlässigkeit zeigten die Kölner im zweiten Spielabschnitt. Vor der Pause hatte es eine hundertprozentige Chancenverwertung gegeben. Zwei Mal visierte Thomas Bröker das Hachinger Tor an, zwei Mal traf der Rückkehrer. In der 28. Minute überwand er Schlussmann Stefan Riederer mit einem feinen Schlenzer von der linken Strafraumgrenze, in der 40. Minute mit einem gewaltigen Drehschuss aus fünf Metern von rechts, wobei er Maximilian Drum und Stefan Riederer jeweils durch die Beine schoss.
"Bröki hat sich damit für seinen Einsatz belohnt. Das wird ihm Auftrieb und Selbstvertrauen geben", war Holger Stanislawski mit ihm zufrieden. "Ich bin natürlich auch glücklich über die beiden Treffer. Vielleicht ist das ja die Initialzündung für die Meisterschaft. Wir haben gut gespielt, hätten aber mehr Tore machen müssen", übte der Stürmer, der alle drei Kölner Pflichtspieltreffer der Saison erzielte, Kritik.
Er selbst hatte in der 64. Minute das 3:0 auf dem Kopf, doch der Torwart wehrte den Ball akrobatisch im Sprung ab. Danach vergaben oder scheiterten auch Daniel Royer (68.), die eingewechselten Michael Ishak (70., 78. + 86.), Tobias Strobl (74.) und Chong Tese (87.) sowie Matthias Lehmann in der Nachspielzeit.
"Das war natürlich sehr ärgerlich. Zwei Treffer sind angesichts der Fülle an Torsituationen einfach zu wenig. Damit sind wir Gefahr gelaufen, das Spiel aus den Händen zu geben", wies Holger Stanislawski auf einen Umstand hin, der latent in der Luft lag.
So rettete Timo Horn (49.) bei einer seiner wenigen Aktionen gegen Dominik Rohracker und hatte eine Minute später gegen den gleichen Hachinger das Glück auf seiner Seite, als der Gegenspieler nur an die Latte köpfte. Dass der zuvor in fünf Saisonspielen unbesiegte Tabellenführer der Dritten Liga vor 7500 Zuschauern, darunter 1500 FC-Fans, noch zum Anschlusstreffer kam und Morgenluft schnuppern durfte, lag an Kevin Pezzoni. Der brachte die Gastgeber in der 90. Minute mit einem Fehlpass - es war sein sechster grober Schnitzer in der Partie - in Ballbesitz, und Andreas Voglsammer traf zum 1:2, bei dem es freilich blieb.
Eine Einzelkritik an der katastrophalen Leistung von Pezzoni, der bereits im letzten Punktspiel den späten Ausgleich der Sandhausener eingeleitet hatte, verkniff sich Holger Stanislawski. Dass Pezzoni überhaupt zum Einsatz kam, war dem Umstand geschuldet, dass der Trainer Christian Eichner aus der Elf genommen hatte.
Statt seiner spielte Kevin Wimmer als Linksverteidiger, weil Stanislawski ihn als kopfballstarken Spieler bei Freistoßsituationen haben wollte. Oder sollte das Bankdrücken dazu dienen, mehr Leistung aus dem mit einem hoch dotierten, wenngleich leistungsbezogenen Vertrag ausgestatteten Christian Eichner herauszukitzeln?
Es blieb das Geheimnis des Trainers. Dagegen machte Holger Stanislawski aus der Freude, dass die TSG Hoffenheim, bei der er im Februar entlassen worden war, gescheitert war, keinen Hehl, als er angesichts des 0:4 meinte: "Wir freuen uns auf die zweite Pokalrunde und über die eine oder andere Pokalüberraschung."
 

(Quelle: Kölnische Rundschau vom 20.08.2012)

 

Unterhaching: Riederer, Schwab, Hofstetter, Drum, Kappelmaier; Thee, Yilmaz, Welzmüller (69. Fischer), Rohracker; Niederlechner (59. Voglsammer), Bigalke. -
Köln: Horn; Brecko, Maroh, Pezzonl, Wimmer; Lehmann, Hector; Broker, Jajalo (64. Ishak), Royer (81. Tese); Przybylko (64. Strobl). -
SR: Willenborg (Osnabrück). -
Tore: 0:1 Broker (28.), 0:2 Broker (40.), 1:2 Voglsammer (90.). -
Zuschauer: 7500. -
Gelbe Karte: Drum.

 

  Einzelkritik
lfd. Nr. Rücken-Nr. Einwechslung Spieler 1. FC Köln Note
1 1     Timo Horn 3
2 2     Miso Brecko 3
3 5     Dominnic Maroh 2
4 6     Kevin Pezzoni 5-
5 28     Kevin Wimmer 4-
6 33     Matthias Lehmann 2+
7 14     Jonas Hector 3
8 25     Daniel Royer 3-
9 19     Mato Jajalo 4
10 11     Thomas Bröker 1
11 24     Kasper Przybylko 4
12 16     Mikael Ishak 4+
13 15     Tobias Strobl 4
14   ab 64.min. für Jajalo (16) Mikael Ishak  
15   ab 64.min. für Przybylko (15) Tobias Strobl  
16   ab 81.min. für Royer (9) Chong Tese