Seite DFB- Pokal 1.FC Köln gegn SC Wiedenbrück am 31.07.2011

Defensivsystem auf dem Prüfstand
Von Joachim Schmidt

„Wir hätten nur vielleicht etwas schneller spielen können“, resümiert FC-Trainer Stale Solbakken nach dem Spiel gegen den SC Wiedenbrück.
Doch darüber hinaus hat die Mannschaft offenbar sein neues Spielsystem noch nicht voll und ganz umzusetzen gewusst.

KÖLN - Schlaflos war Stale Solbakken in der Nacht zum Montag, bis er den DVD-Spieler in seinem Hotelzimmer ausschalten konnte. Das war nach gut eineinhalbstündigem Studium der Aufnahmen vom Pokalspiel in Gütersloh. „Wenn ich abends oder in der Nacht von einem Spiel zurück komme, bin ich zu aufgewühlt, um sofort schlafen zu können. Außerdem muss ich mir das Spiel ohnehin anschauen, um der Mannschaft die richtigen Dinge zu vermitteln“, erklärte der FC-Trainer gestern.

Stale Solbakken
Trainer Stale Solbakken (M.) zog Bilanz nach dem Spiel des 1. FC Kölns gegen den SC Wiedenbrück. (Bild: dpa)

Weitergehende Eindrücke als die, die er kurz nach dem Abpfiff der mit 3:0 gewonnenen Partie gegen Viertligist SC Wiedenbrück wiedergegeben hatte („die Raumaufteilung war phasenweise nicht so gut, und wir müssen besser arbeiten, um mehr Kontrolle zu bekommen“), hatte er diesmal jedoch kaum gewonnen. „Wir hätten nur vielleicht etwas schneller spielen können“, merkte Solbakken nach einer kurzen Denkpause an.
Dass die Kölner Mannschaft das für sie neue Spielsystem des Norwegers kurz vor dem Meisterschaftsstart noch nicht automatisiert hat und entsprechend umzusetzen versteht, wurde in der westfälischen Fußballprovinz deutlich. Während ein Großteil der Bundesligatrainer vor der obligatorischen Viererabwehrkette mit einer Doppelsechs und davor einer offensiven Dreierkette hinter der einzigen Sturmspitze agieren lässt, bietet Solbakken zwei Viererketten und davor die Doppelspitze Novakovic / Podolski auf.
„Das ist auch für mich neu, dass wir im Mittelfeld mehr den Raum als den Gegner decken. In beiden Viererketten wird zum ballführenden Spieler hin verschoben, und man muss aufpassen, dass der Ball nicht durchgespielt wird“, erklärte Sascha Riether. Der Nationalspieler, der vor knapp vier Wochen vom VfL Wolfsburg verpflichtet worden war, ist Chef und Wortführer in der Mittelfeldkette.
Gegen den SC Wiedenbrück stand vor allem er neben Martin Lanig defensiv sehr sicher, hielt sich ebenso wie sein Kollege andererseits im Spielaufbau zurück. „Meine Rolle ist mit der vergleichbar, die Mark van Bommel in München eingenommen hatte: Ich soll den anderen den Rücken freihalten, soll stabilisieren. Angesichts unseres starken Offensivpotenzials muss ich nicht auch noch mit nach vorne“, begründete Sascha Riether seine Zurückhaltung gegenüber der gegnerischen Hälfte.
Bei seinem Ex-Verein, dem VfL Wolfsburg, sind die Probleme im zentralen Mittelfeld offenbar erheblich schwerwiegender. Angesichts des blamablen Pokalausscheidens (2:3) bei Viertligist RB Leipzig plant Felix Magath für das Gastspiel am Samstag in Köln einen taktischen Umbau. „So wie wir gespielt haben, steht die Raute infrage“, erklärte der Trainer. Deshalb will er wohl ebenfalls mit einer Doppelsechs beginnen, die Josué und der gerade aus Stuttgart für neun Millionen Euro verpflichtete Christian Träsch bilden sollen.
Bei der aktuellen System-Diskussion in der Bundesliga schloss sich Bayern-Rückkehrer Jupp Heynckes übrigens einer Meinung von Stale Solbakken an, der gestern nochmals betonte, dass es unabhängig von der Spielform darauf ankomme, dass man die Balance zwischen Offensive und Defensive halte. „Schließlich ist es doch ein altes Lied“, sagte Heynckes: „Der Sturm gewinnt zwar Spiele, die Abwehr aber letztlich den Meistertitel.“
Den strebt Kölns Trainer nicht gerade an. Aber auch für sein Ziel, einen einstelligen Tabellenplatz, „müssen wir hinten eng und gut stehen“. Sonst kann es schlaflose Nächte geben.

Einzelkritik  
Miro Varvodic 4
Miso Brecko 3
Pedro Geromel 3
Kevin Pezzoni 3+
Andrezinho 4-
Sascha Riether 3-
Martin Lanig 4-
Adil Chihi 3-
Lukas Podolski 1
Mato Jajalo 4+
Milivoje Novakovic 1-
Christian Eichner 3
Slawomir Peszko 4+

(Quelle: Kölnische Rundschau vom 01.08.2011)