4. Spieltag
 
0:0 - Mondragon hält den Punkt fest
Dem Meister getrotzt: Mit einer konsequenten Zerstörer-Taktik hat der 1. FC Köln den Münchner Bayern die Oktober-
feststimmung verdorben. Der Meister kam zum Wiesn-Auftakt vor 69 000 Zuschauern in der Allianz Arena nicht über
ein 0:0 hinaus. FC-Torwart Faryd Mondragon hielt durch einige starke Paraden wie hier gegen Miroslav Klose den
Punkt für die Geißböcke fest. (Foto; dpa)

Ein vorzügliches Abwehrverhalten
Der 1.FC Köln bleibt nach dem 0:0 in der Münchner Alianz-Arena ungeschlagen
von Achim Schmidt

NCHEN. Die Sonne strahlt am Samstagnachmittag über dem Münchner Marienplatz. Und die vielen Menschen, die zum Auftakt des Oktoberfestes ihre neusten Trachtenkollektion vor dem Rathaus der bayrischen Metropole aufreizend präsentieren, strahlen ebenfalls um die Wette. Auch die 69 000 Zuschauer ein paar Kilometer stadtauswärts in Fröttmaning fiebern in der ausverkauften Allianz-Arena erwartungsfroh dem Duell der 1. Bundesliga zwischen den internationalen Stars des heimischen FC Bayern und den Gästen vom l. FC aus Köln entgegen, wenngleich hier die Fußball-Trikots unter den Besuchern eindeutig die Kleiderordnung diktierten. 
Dort läuft über 90 Minuten späterum 17.19Uhrdie zweite Minute der Nachspielzeit. Noch immer ist kein einziger Treffer in dieser Begegnung gefallen. Doch noch ein weiteres Mal gibt es für die Hausherren eine Torgelegenheit durch einen Freistoß in aussichtsreicher Position. Franck Ribery läuft an, schießt, doch FC-Torhüter Faryd Mondragon pariert. Thomas Müller ist nach dem Abpraller mit dem Kopf zur Stelle, doch der 39-jährige Kolumbianer zwischen den Pfosten ist erneut zur Stelle. Das war's. Der FC erkämpft und ermauert sich mit bestem italienischen Catenacchio ein 0:0 beim deutschen Rekordmeister und bleibt damit auch bei seinem bislang vierten Auftritt in der Allianz-Arena ungeschlagen.
11:1 Ecken, 69 Prozent Ballbesitz, die meisten Ballkontakte: Bastian Schweinsteiger (124 - zum Vergleich beim FC: Torhüter! Mondragon 45) - die Statistik der Partie spricht eindeutig für die Münchner. Doch dank einer hervorragender Defensivarbeit ist der Punktgewinn für die Geißböcke trotz der drückend spielerischen Überlegenheit des Meisters nicht unverdient.
"Wir wollten mehr nach vorne machen, aber es war sehr schwer", bilanzierte Trainer Zvonimr Soldo nach der Partie. „Bayern hat sehr dominant und sehr sicher gespielt, aber wir haben wenig zugelassen." In der Tat zeigte Köln, angehrt von Petit im defensiven Mittelfeld und dem überragenden Innenverteidiger Pedro Geromel (Soldo: Wir haben ihn in den ersten beiden Begegnungen vermisst. Ohne Pedro haben wir in den ersten beiden Spielen sieben Gegentore bekommen, mit ihm null"), in der Defensive eine tolle Leistung. Zudem wurde auf der rechte Abwehrseite Franck Ribery von Miso Brecko in Zusammenarbeit mit Sebastian Freis gut gedoppelt und weitgehend ausgeschaltet. Und links hatte Fabrice Ehret seinen Widersacher Toni Kroos gut im Griff.
"Wir haben hier kein Offensiv-Feuerwerk abgebrannt, aber das war ja auch nicht unser Ziel", erklärte Lukas Podolski nach dem Duell mit seinen früheren Kollegen. "
Unser Ziel war es, hier irgendetwas mitzunehmen. Das haben wir geschafft. Wir hatten
sogar noch zwei ganz gute Konter." Damit meinte der 25-jährige Nationalspieler zum einen die Chance von Brecko nach feinem Zuspiel von Martin Lanig (77.). Doch der Slowene fand, nachdem er Daniel van Buyten ausgetanzt hatte, in Bayern-Schlussmann Jörg Butt ebenso seinen Meister wie Freis in Minute 83 nach Flanke von Ehret. Es tut mir für die Mannschaft 
leid", erklärte
Freis nach dem Schlusspfiff. „Wenn ich den reinmache, gehen wir als Sieger vom Platz. Letztendlich geht das Unentschieden aber in Ordnung." Das musste auch
der Münchner Trainer Louis van Gaal anerkennen: Uns fehlt im Moment das Glück. Wir müssen diesen Weg weitergehen, dann bin ich sicher, dass wir auch wieder unsere Tore machen. Das ist nur eine Frage der Zeit", sagte der Niederländer.
Podolski, die einzige tatsächliche Offensivkraft der Kölner in München, scheint sich derweil in dieser Rolle wohl zu fühlen, auch wenn er am Samstag weitgehend auf sich allein gestellt war und wenige gute Aktionen hatte. Die Position in der Zentrale liegt mir", sagte der Interims-Kapitän. Und fügte hinzu: Die werde ich spielen - und zwar durchgehend." Milivoje Novakovic, der seine Stärken ebenfalls im Zentrum hat, saß in München wie schon gegen St. Pauli 90 Minuten auf der Ersatzbank.
Zeit, um den erfolgreichen Ausflug mit einem anschließenden Abstecher zum Oktoberfest zu verbinden, blieb der Kölner Reisegruppe indes nicht. Denn schon morgen um 20 Uhr steht die Partie bei Tabellenführer FSVMainz 05 auf dem Programm. Ich denke, das Spiel wird sogar noch ein bisschen schwerer als hier in München", warnt Podolski. Die Mainzer haben jetzt vier Siege und sind besonders zu Hause sehr stark. Wir müssen aufpassen, dass wir da konzentriert in die Zweikämpfe gehen und versuchen, dort drei Punkte mitzunehmen."

 


Mit vereinten Kräften stellten sich Faryd Mondragon (von rechts) und Sebastian Preis dem FC Bayern um Youngstar Thomas Müller in den Weg. (Foto: dpa)
 

Einzelkritik  
Faryd Mondragon 2
Miso Brecko 2
Pedro Geromel 1
Kevin Pezzoni 2
Favrice Ehret 3
Petit 2
Sebastian Freis 3
TanerYalcin 4
MatoJajalo 4
Christian Clemens 4+
Lukas Podolski 2
Martin Lanig 3+

(Quelle: Kölnische Rundschau vom 20.09.2010)



Termin Begegnung Ergebnis Informationen
Fr., 17.09., 20:30 h Eintracht Frankfurt gegen: SC Freiburg Endstand:0:1 (Halbzeitstand:0:0) Statistik | History
Sa., 18.09., 15:30 h Werder Bremen gegen: 1. FSV Mainz 05 Endstand:0:2 (Halbzeitstand:0:0) Statistik | History
Sa., 18.09., 15:30 h Bayern München gegen: 1. FC Köln Endstand:0:0 (Halbzeitstand:0:0) Statistik | History
Sa., 18.09., 15:30 h 1. FC Kaiserslautern gegen: 1899 Hoffenheim Endstand:2:2 (Halbzeitstand:0:1) Statistik | History
Sa., 18.09., 15:30 h VfB Stuttgart gegen: Borussia Mönchengladbach Endstand:7:0 (Halbzeitstand:2:0) Statistik | History
Sa., 18.09., 15:30 h VfL Wolfsburg gegen: Hannover 96 Endstand:2:0 (Halbzeitstand:0:0) Statistik | History
So., 19.09., 15:30 h FC St. Pauli gegen: Hamburger SV Endstand:1:1 (Halbzeitstand:0:0) Statistik | History
So., 19.09., 17:30 h FC Schalke 04 gegen: Borussia Dortmund Endstand:1:3 (Halbzeitstand:0:1) Statistik | History
So., 19.09., 17:30 h Bayer 04 Leverkusen gegen: 1. FC Nürnberg Endstand:0:0 (Halbzeitstand:0:0) Statistik | History

Rang VR Vereinswappen Verein Sp S U N T TD P Quali
1 (2) Logo 1. FSV Mainz 05 1. FSV Mainz 05 4 4 0 0 10:4 +6 12 CL
2 (1) Logo 1899 Hoffenheim 1899 Hoffenheim 4 3 1 0 9:3 +6 10 CL
3 (6) Logo Borussia Dortmund Borussia Dortmund 4 3 0 1 8:4 +4 9 CLQ
4 (7) Logo SC Freiburg SC Freiburg 4 3 0 1 6:5 +1 9 EL
5 (3) Logo Hamburger SV Hamburger SV 4 2 2 0 7:4 +3 8 EL
6 (5) Logo 1. FC Kaiserslautern 1. FC Kaiserslautern (N) 4 2 1 1 8:5 +3 7  
7 (4) Logo Hannover 96 Hannover 96 4 2 1 1 6:6 0 7  
8 (8) Logo Bayer 04 Leverkusen Bayer 04 Leverkusen 4 1 2 1 7:8 -1 5  
9 (11) Logo Bayern München Bayern München (M, P) 4 1 2 1 2:3 -1 5  
10 (13) Logo FC St. Pauli FC St. Pauli (N) 4 1 1 2 4:4 0 4  
11 (10) Logo Werder Bremen Werder Bremen 4 1 1 2 5:8 -3 4  
12 (14) Logo 1. FC Köln 1. FC Köln 4 1 1 2 4:7 -3 4  
13 (8) Logo Borussia Mönchengladbach Borussia Mönchengladbach 4 1 1 2 7:15 -8 4  
14 (18) Logo VfB Stuttgart VfB Stuttgart 4 1 0 3 9:7 +2 3  
15 (12) Logo Eintracht Frankfurt Eintracht Frankfurt 4 1 0 3 6:6 0 3  
16 (15) Logo 1. FC Nürnberg 1. FC Nürnberg 4 0 3 1 3:4 -1 3 Ab-Rel
17 (16) Logo VfL Wolfsburg VfL Wolfsburg 4 1 0 3 6:8 -2 3 Ab
18 (17) Logo FC Schalke 04 FC Schalke 04 4 0 0 4 3:9 -6 0 Ab

 
Vorschau 5. Spieltag:

 

Die letzte Chance am Mainzer Bruchweg 

FC reist mit Rückenwind zum Tabellenführer - Kapitän Mohamad kehrt ins Team zurück

Von ACHIM SCHMIDT

KÖLN. Zwei Fußball-Stadien, zwei gegensätzliche Gefühlswelten - und das innerhalb von nur vier Tagen. Für den 1. FC Köln könnte das Ambiente nicht unterschiedlicher sein. Am Samstag das Gastspiel in der hochmodernen Allianz-Arena, wo der Geißbock-Club keine seiner bislang dort ausgetragenen vier Begegnungen beim FC Bayern München verloren hat. Und heute um 20 Uhr nun der Auftritt auf dem Sportplatz am Mainzer Bruchweg. Dort hat der FC gegen den hier heimischen l. FSV schon sieben Mal in der 1. oder 2. Bundesliga oder im Pokal gespielt, aber insgesamt lediglich ganze zwei Pünktchen im Gepäck (zuletzt 2002) mit nach Hause genommen. „Wir haben uns in Mainz in der vergangenen Saison schlecht präsentiert und viel "gutzumachen", denkt FC-Trainer Zvonimir Soldo ungern an das letzte Duell zurück. Dort siegten die Hausherren trotz eines Platzverweises gegen Aristide Bance nach knapp einer halben Stunde in Unterzahl mit 1:0. „Aber es wird eine schwere Aufgabe. Mainz ist lauf- und zweikampfstark und durch die Tabellenführung herrscht dort zurzeit eine Riesen-Euphorie."Doch auch der FC hat durch das 1:0 gegen St. Pauli und erst recht das 0:0 beim FC Bayern Auftrieb bekommen. „Diese Spiele haben uns Selbstbewusstsein gegeben", sagt Sebastian Freis. „Sicherlich wird es in Mainz sehr schwer, weil die Jungs gut drauf sind. Aber unschlagbar sind sie nicht." Beim Überraschungs-Tabellenführer kann Soldo wieder auf seine etatmäßige Innenverteidigung zurückgreifen, denn Youssef Mohamad hat seine Drei-Spiele-Sperre nach der schnellsten Roten Karte der Ligageschichte zum Saison-Auftakt gegen den 1. FC Kaiserslautern nach 87 Sekunden abgesessen. „Youssef ist unser Kapitän und ein wichti­ger Spieler", freut sich der Trainer über die Rückkehr des Libanesen, der für Kevin Pezzoni („Er hat sich in den letzten beiden Spielen sehr gesteigert.") in die Startformation rückt. Denkbar ist zudem, dass Neuzugang Martin Lanig von .Anfang an ran darf. Soldo bescheinigte dem Mittelfeldspieler nach der Einwechslung in München, dass er eine „gute Reaktion gezeigt hat".

Der Kölner Chefausbilder thematisierte auf der gestrigen Pressekonferenz ebenso wie Manager Michael Meier noch einmal die seiner Meinung nach zu harte Sanktion für Mohamad. „Die Strafe war ein Witz", kritisierte Soldo, während Meier grundlegende „Änderungen in der Rechtsprechung" durch den Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für die Zukunft forderte.
In Mainz erklärte derweil FSV-Trainer Thomas Tuchel im Hinblick auf das Spiel: „Die Mannschaft genießt die Situation, aber die vier Siege bringen uns keinen Millimeter von unserem Weg ab. Wir werden wieder zu einer Topleistung fä­hig sein." Die muss auch Köln zeigen, um in der anderen Karnevals-Hochburg zu beste­hen. Eine Kräfteverschleiß durch das Bayern-Spiel be­fürchtet Soldo dabei nicht. „Wir stehen am Anfang der Saison. Wenn die Spieler jetzt müde sind, dann haben wir was falsch gemacht. Wir sind fit, und das müssen wir zeigen."
Übrigens bietet sich dem l.FC Köln heute zum letzten Mal die Gelegenheit, ein Bundesligaspiel im Bruchwegstadion zu gewinnen. Denn ab der kommenden Spielzeit trägt Mainz seine Heim-Begegnungen in einer neuen schmucken 34 000 Zuschauer fassenden Arena am Stadtrand der rheinland-pfälzischen Landes-hauptstadt aus.

 

 

 


Ganze 87 Sekunden durfte Youssef Mohamad bislang in dieser Bundesliga-Saison mitwirken. Heute in Mainz
kehrt der FC-Kapitän nach abgelaufener Sperre zurück auf den Rasen. (Foto: dpa)

 

(Quelle: Kölnische Rundschau vom 21.09.2010)