Seite 31.Spieltag

Nach Wolfsburg-Pleite

 

Alles eine Frage der Nerven
Von Joachim Schmidt 

Konfuse FC-Spieler in Wolfsburg und kopflose Fanatiker am Geißbockheim: Die nach dem 1:4 gegen Wolfsburg in akute Abstiegsgefahr geratenen Geißböcke
wollen die aktuelle Situation analysieren. Nun ist sogar eine vorzeitige Trennung von Frank Schaefer denkbar.

Freis gegen Cicero
Der Wolfsburger Cicero (r) und der Kölner Sebastian Freis kämpfen um den Ball. (Bild: dpa)

WOLFSBURG. Verunsicherte und auf dem Platz konfus agierende Spieler, eine um Krisenbewältigung bemühte Sportliche Leitung, kopflose Fanatiker, die bei ihrer Frustbewältigung nach dem 1:4 bei der Wolfsburger Werksmannschaft den Bogen überspannen - und das alles vor dem ohnehin brisanten Derby gegen die Bayer-Werkself. Nach Monaten scheinbarer innerer Ruhe droht dem 1. FC Köln wieder eine gewaltige Eruption.
Dabei kehrt sich unter anderem die Ankündigung von Frank Schaefer, aus persönlichen Gründen sein Traineramt am Saisonende niederzulegen, ins Gegenteil um. Statt dadurch Frieden in den Verein zu bringen, sind viele FC-Anhänger entrüstet. Mehr als 11 600 schlossen sich bisher einer Internet-Aktion an, die sich dafür ausspricht, dass der beliebte Trainer vom Rücktritt zurücktritt.
Gestern Abend versammelten sich rund 200 enttäuschte FC-Fans unter dem Motto "Pro Schaefer" am Geißbockheim. Rufe wie "Vorstand raus!", "Finke raus!" und "Ihr macht den Verein kaputt" wurden von einer kleinen Gruppe ebenso skandiert wie Frank-Schaefer-Rufe von größeren Teilen. Offizielle des Vereins waren zu diesem Zeitpunkt nicht mehr am Clubhaus.
Sie hatten ebenso wie Trainer, Spieler und Betreuer am Mittag das Vereinsgelände verlassen. Dort hatte ein Unbekannter auf eine Werbebande gesprüht: "Wenn ihr absteigt, schlagen wir euch tot." Frank Schaefer war konsterniert, als er es sah, und Michael Rensing sagte: "Beschämend, das geht unter die Gürtellinie." Am Abend wischten Fans die Schmiererei weg.
Tags zuvor hatten sich Michael Rensing, Milivoje Novakovic, Mato Jajalo, Geschäftsführer Claus Horstmann und Sportdirektor Volker Finke einer Gruppe von etwa 60 Fans zum Gespräch gestellt. Die waren in ihrer Wut über das zuvor miterlebte 1:4 vom Wolfsburger Stadion zum Braunschweiger Flughafen gefahren, von wo der FC-Tross zurück nach Köln flog.
Die Begegnung beim VfL hatte den üblichen Verlauf der letzten FC-Spiele genommen. Nach 14 Minuten geriet man in Rückstand, als Mario Mandzukic traf, der in der 39. Minute noch erhöhte. Dem Anschlusstreffer im Gegenzug durch Sebastian Freis unter kräftiger Mithilfe von Torwart Diego Benaglio ließ Ashkan Dejagah (58./88.) wie sein Kollege ebenfalls zwei Tore folgen. Grobe Abwehrfehler der Kölner Defensive rächten sich einmal mehr. Torhüter Michael Rensing verhinderte mit mehreren Rettungstaten einmal mehr sogar noch ein Desaster.
"Da gibt es nichts schönzureden. Wir stecken ganz tief drin im Abstiegskampf. Und so, wie wir die letzten Spiele verloren haben, wird es jetzt ganz schwer", klagte Schaefer. Im fatalen Negativtrend wirkt die Mannschaft hilflos gegen den selbst erzeugten Sog, der sie Richtung Zweiter Liga zieht. Vor allem die Köpfe wirken leer, es fehlen Ideen für ein kreatives Spiel, während gleichzeitig die Angst das Bemühen lähmt, Gegentreffer zu verhindern. "Es ist eine Nervensache geworden. Das hat man heute bei uns gesehen", gestand Christian Eichner.
Während der Trainer versuchte, aufkommende Panik zu zerstreuen, wies er auf einen Umstand hin, der die Negativserie der letzten Wochen wohl mit ausgelöst hat. "Im Nachhinein betrachtet war man sich angesichts der 35 Punkte im Umfeld und vielleicht auch in der Mannschaft wohl zu sicher, den Klassenerhalt zu schaffen. Ich habe es nie so empfunden und immer davor gewarnt, so zu denken."
Wie die Abstiegsangst zu bannen sei, erklärte der in Wolfsburg gesperrte Lukas Podolski gestern: "Wir müssen zusammenhalten und wieder Spaß und Freude in den Laden bekommen
."

Einzelkritik  
Michael Rensing 2
Miso Brecko 5
Pedro Geromel 5
Youssef Mohamad 6
Christian Eichner 4-
Martin Lanig 5-
Reinhold Yabo 5
Sebastian Freis 4+
Mato Jajalo 5
Christian Clemens 5
Milivoje Novakovic 4
Adil Chihi 4-
Adam Matuschyk 4-

(Quelle: Kölnische Rundschau vom 26.04.2010)
 

 

Termin Begegnung Ergebnis Informationen
Do., 21.04., 20:30 h SC Freiburg gegen: Hannover 96 Endstand:1:3 (Halbzeitstand:0:2) Statistik | History
Sa., 23.04., 15:30 h FC St. Pauli gegen: Werder Bremen Endstand:1:3 (Halbzeitstand:1:0) Statistik | History
Sa., 23.04., 15:30 h VfB Stuttgart gegen: Hamburger SV Endstand:3:0 (Halbzeitstand:1:0) Statistik | History
Sa., 23.04., 15:30 h Bayer 04 Leverkusen gegen: 1899 Hoffenheim Endstand:2:1 (Halbzeitstand:1:1) Statistik | History
Sa., 23.04., 15:30 h Eintracht Frankfurt gegen: Bayern München Endstand:1:1 (Halbzeitstand:0:0) Statistik | History
Sa., 23.04., 15:30 h FC Schalke 04 gegen: 1. FC Kaiserslautern Endstand:0:1 (Halbzeitstand:0:1) Statistik | History
Sa., 23.04., 18:30 h Borussia Mönchengladbach gegen: Borussia Dortmund Endstand:1:0 (Halbzeitstand:1:0) Statistik | History
So., 24.04., 15:30 h VfL Wolfsburg gegen: 1. FC Köln Endstand:4:1 (Halbzeitstand:2:1) Statistik | History
So., 24.04., 17:30 h 1. FC Nürnberg gegen: 1. FSV Mainz 05 Endstand:0:0 (Halbzeitstand:0:0) Statistik | History

Stand 24.04.2011

Rang VR Emblem Verein Sp S U N T TD P Quali
1 (1) Logo Borussia Dortmund Borussia Dortmund 31 21 6 4 62:19 +43 69 CL
2 (2) Logo Bayer 04 Leverkusen Bayer 04 Leverkusen 31 19 7 5 62:41 +21 64 CL
3 (4) Logo Hannover 96 Hannover 96 31 18 3 10 45:41 +4 57 CLQ
4 (3) Logo Bayern München Bayern München (M, P) 31 16 8 7 67:37 +30 56 EL
5 (5) Logo 1. FSV Mainz 05 1. FSV Mainz 05 31 15 4 12 44:37 +7 49 EL
6 (6) Logo 1. FC Nürnberg 1. FC Nürnberg 31 13 8 10 45:38 +7 47  
7 (7) Logo Hamburger SV Hamburger SV 31 12 7 12 44:48 -4 43  
8 (8) Logo SC Freiburg SC Freiburg 31 12 5 14 39:47 -8 41  
9 (9) Logo 1899 Hoffenheim 1899 Hoffenheim 31 10 10 11 46:44 +2 40  
10 (10) Logo FC Schalke 04 FC Schalke 04 31 11 7 13 35:35 0 40  
11 (11) Logo Werder Bremen Werder Bremen 31 9 11 11 43:57 -14 38  
12 (13) Logo 1. FC Kaiserslautern 1. FC Kaiserslautern (N) 31 10 7 14 41:48 -7 37  
13 (14) Logo VfB Stuttgart VfB Stuttgart 31 10 6 15 55:55 0 36  
14 (12) Logo 1. FC Köln 1. FC Köln 31 10 5 16 41:61 -20 35  
15 (15) Logo Eintracht Frankfurt Eintracht Frankfurt 31 9 7 15 30:41 -11 34  
16 (16) Logo VfL Wolfsburg VfL Wolfsburg 31 7 11 13 38:45 -7 32 Ab-Rel
17 (18) Logo Borussia Mönchengladbach Borussia Mönchengladbach 31 8 5 18 44:64 -20 29 Ab
18 (17) Logo FC St. Pauli FC St. Pauli (N) 31 8 5 18 33:56 -23 29 Ab

Vorschau 32.Spieltag

Termin Begegnung Ergebnis Informationen
Fr., 29.04., 20:30 h Werder Bremen gegen: VfL Wolfsburg -:- History
Fr., 29.04., 20:30 h 1. FC Kaiserslautern gegen: FC St. Pauli -:- History
Sa., 30.04., 15:30 h Hamburger SV gegen: SC Freiburg -:- History
Sa., 30.04., 15:30 h 1. FC Köln gegen: Bayer 04 Leverkusen -:- History
Sa., 30.04., 15:30 h 1899 Hoffenheim gegen: VfB Stuttgart -:- History
Sa., 30.04., 15:30 h Hannover 96 gegen: Borussia Mönchengladbach -:- History
Sa., 30.04., 15:30 h Borussia Dortmund gegen: 1. FC Nürnberg -:- History
Sa., 30.04., 15:30 h 1. FSV Mainz 05 gegen: Eintracht Frankfurt -:- History
Sa., 30.04., 18:30 h Bayern München gegen: FC Schalke 04 -:- History

 

Nach Wolfsburg-Pleite

 

Beim FC liegen die Nerven blank
Die nach dem 1:4 gegen Wolfsburg in akute Abstiegsgefahr geratenen Geißböcke wollen die aktuelle Situation analysieren. Nun ist sogar eine vorzeitige Trennung von Frank Schaefer denkbar: Sportdirektor Volker Finke vermied ein klares Bekenntnis zu ihm.

Freis gegen Cicero
Der Wolfsburger Cicero (r) und der Kölner Sebastian Freis kämpfen um den Ball. (Bild: dpa)

KÖLN - Die Trennung zum Saisonende ist beschlossen, doch nach der dritten Niederlage in Serie könnte die Amtszeit von Trainer Frank Schaefer beim 1.FC Köln noch schneller als gedacht zu Ende sein. Statt des erhofften Befreiungsschlags im Kampf gegen den Abstieg muss der schon fast als gerettet angesehene FC nach dem 1:4 am Sonntag beim VfL Wolfsburg wieder ernsthaft um die Zugehörigkeit zur Fußball-Bundesliga zittern. Und Schaefer um seinen Job?
Während Wolfsburg den Sieg als Initialzündung zur Aufholjagd feierte, scheint die Panik im Rheinland nach dem erneuten Auswärts-Versagen groß zu sein. "Für uns heisst es jetzt, die Nerven zu behalten", appellierte Schaefer nach dem besorgniserregenden Auftritt. Es klang wie eine Bitte des "kölschen Jung" an die Verantwortlichen, seinen FC zum Klassenverbleib führen zu dürfen. Fast gleichzeitig kündigte Sportdirektor Volker Finke an, "alles zu tun, damit der Club in der ersten Liga bleibt".
Finke schließt Trainerwechsel nicht aus

Was dies genau bedeutet, ließ Finke offen und kündigte eine Analyse der Situation an. Eine sofortige Trennung von Schaefer schloss Finke zwar aus ("Da denke ich momentan überhaupt nicht dran"), eine Garantie dafür, dass Schaefer auch am Samstag gegen Bayer Leverkusen noch auf der Bank sitzt, wollte er aber auch nicht abgeben. "Ich gehe davon aus", sagte Finke lediglich.
Das Verhältnis zu Schaefer, der den FC nach der Trennung von Zvonimir Soldo zum Saisonbeginn wieder zu einem ernsthaften Anwärter auf den Klassenverbleib formte, soll nicht das Beste sein. Nahrung erhielt dieses Gerücht durch Schaefers Ankündigung in der vergangenen Woche, die Brocken zum Saisonende hinzuschmeißen. Schaefer sei zermürbt von Finkes ständigem Einmischen in die Trainer-Arbeit, wurde daraufhin in einigen Medien gemutmaßt. "Dass dieses Thema überhaupt aufgemacht wurde, ist ein bisschen schade. Ich denke, dass ich ihm bislang in allen Situationen geholfen habe", sagte Finke dazu.

4:15 Tore und null Punkte aus letzten drei Auswärtsspielen

Eine positive Reaktion der Mannschaft bewirkte Schaefer jedenfalls nicht. Vielmehr könnten die Spieler nun ein Alibi für den Abwärtstrend haben. Den Gegenbeweis traten sie beim direkten Konkurrenten Wolfsburg nicht an. "Auf dem Platz haben wir unglaubliche Fehler gemacht", schimpfte Finke. Das 1:4 nach zwei Doppelpacks von Mario Mandzukic (14. und 39. Minute) und Ashkan Dejagah (58./88.) beim Ehrentreffer von Sebastian Freis (40.) war auch in der Höhe verdient.

2:6, 1:5, 1:4 - das ist die verheerende Bilanz der vergangenen drei Kölner Auswärtsspiele. Noch hat der FC drei Punkte Vorsprung auf Wolfsburg und den Relegationsrang 16, doch das Restprogramm ist gegen Leverkusen, beim direkten Konkurrenten Frankfurt und Ex-Köln-Coach Christoph Daum sowie gegen Schalke nicht einfach. "Mit dem heutigen Spiel ist klar, dass wir wieder mitten drin sind", sagte Schaefer. (dpa)